Notrufsystem ohne Pflegegrad: Welche Möglichkeiten gibt es?
Ein Notrufsystem kann auch dann sinnvoll sein, wenn noch kein Pflegegrad vorliegt. Vielleicht leben Sie allein, fühlen sich nach einem Sturz unsicher oder möchten für den Ernstfall vorsorgen. Auch Angehörige wünschen sich häufig eine verlässliche Möglichkeit, schnell informiert zu werden, wenn etwas passiert. Ein Notrufsystem kann jedoch jederzeit privat gekauft oder gebucht werden. Ohne anerkannten Pflegegrad übernimmt die Pflegekasse die Kosten eines Hausnotrufs in der Regel nicht. Sie können ein Notrufsystem jedoch selbst bezahlen und unmittelbar nutzen. Dabei haben Sie die Wahl zwischen einem klassischen Hausnotruf für die Wohnung, einer Notrufuhr und einem mobilen Notrufarmband für zu Hause und unterwegs. In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Möglichkeiten Sie ohne Pflegegrad haben, mit welchen Kosten Sie rechnen sollten und worauf Sie bei der Auswahl eines Notrufsystems achten sollten.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Ein Notrufsystem kann auch ohne Pflegegrad genutzt werden.
- Ohne anerkannten Pflegegrad tragen Sie die Kosten normalerweise selbst.
- Ein klassischer Hausnotruf ist meist an eine Basisstation und deren Reichweite gebunden.
- Mobile Notrufsysteme können auch beim Einkaufen, im Garten oder auf Spaziergängen genutzt werden.
- Achten Sie nicht nur auf den Preis, sondern auch auf Bedienung, Akkulaufzeit und die Notfallkette.
- Besteht bereits Unterstützungsbedarf im Alltag, kann es sinnvoll sein, einen Pflegegrad zu beantragen.
Kann man ein Notrufsystem ohne Pflegegrad nutzen?
Ja. Für den Kauf oder Abschluss eines privaten Notrufsystems benötigen Sie keinen Pflegegrad. Sie können selbst entscheiden, welches Gerät und welcher Service zu Ihrem Alltag passen. Ein Pflegegrad wird vor allem dann wichtig, wenn Sie eine Kostenübernahme durch die Pflegekasse beantragen möchten. Pflegehilfsmittel werden grundsätzlich für pflegebedürftige Menschen gewährt. Voraussetzung ist damit ein anerkannter Pflegegrad. Der Anspruch richtet sich nach § 40 SGB XI und umfasst Hilfsmittel, die die Pflege erleichtern, Beschwerden lindern oder eine selbstständigere Lebensführung ermöglichen. Ohne Pflegegrad können Sie das Notrufsystem privat finanzieren. Das kann sinnvoll sein, wenn Sie vorsorgen möchten und noch keine umfassende Unterstützung im Alltag benötigen.
Für wen kann ein Notrufsystem ohne Pflegegrad sinnvoll sein?
Ein Pflegegrad sagt nicht automatisch etwas darüber aus, ob im Alltag ein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis besteht. Auch Menschen ohne Pflegegrad können stürzen, plötzlich Kreislaufprobleme bekommen oder in einer anderen Notsituation ihr Telefon nicht erreichen.
Ein Notrufsystem kann besonders gut passen, wenn Sie:
- allein leben,
- sich mehr Selbstständigkeit und Freiheit wünschen,
- bereits gestürzt sind,
- unter Schwindel oder Gleichgewichtsproblemen leiden,
- sich nach einem Krankenhausaufenthalt noch unsicher fühlen,
- häufig allein spazieren gehen oder einkaufen,
- kein Smartphone besitzen oder es nicht ständig mitführen,
- Ihre Angehörigen entlasten möchten,
- vorsorglich eine einfache Möglichkeit zum Hilferuf wünschen.
Entscheidend ist nicht nur, ob bereits Pflegebedürftigkeit festgestellt wurde. Wichtiger ist, ob Sie in einer Notsituation schnell und selbstständig Hilfe erreichen könnten. Weitere Hinweise zur Vorsorge nach einem Sturz finden Sie in diesem Artikel: „Notrufarmband für Senioren nach einem Sturz: So sorgen Sie jetzt vor“.
Welche Notrufsysteme gibt es ohne Pflegegrad?
Grundsätzlich stehen Ihnen dieselben Systeme zur Verfügung wie Menschen mit Pflegegrad. Der Unterschied liegt vor allem in der Finanzierung.
Klassischer Hausnotruf
Ein klassischer Hausnotruf besteht meist aus einer Basisstation in der Wohnung und einem tragbaren Funksender. Der Notrufknopf wird als Armband oder Halskette getragen. Wird der Knopf gedrückt, sendet er ein Signal an die Basisstation. Von dort wird eine Verbindung zu privaten Kontakten oder einer Notrufzentrale hergestellt.
Ein klassischer Hausnotruf kann sinnvoll sein, wenn Sie:
- sich überwiegend zu Hause aufhalten,
- eine stationäre Lösung bevorzugen,
- die Reichweite der Basisstation selten verlassen,
- vor allem innerhalb der Wohnung zusätzliche Sicherheit wünschen.
Außerhalb der Reichweite der Basisstation funktioniert der tragbare Knopf häufig nicht mehr. Für aktive Menschen kann deshalb eine mobile Lösung besser passen.
Smartwatch
Eine Notrufuhr ähnelt häufig einer Smartwatch. Neben dem Hilferuf kann sie je nach Modell Uhrzeit, Schritte, Gesundheitswerte, Nachrichten oder weitere Funktionen anzeigen. Das kann praktisch sein, erhöht aber teilweise den Bedienaufwand. Touchscreen, kleine Symbole und verschiedene Menüs können insbesondere in einer Stresssituation unübersichtlich werden.
Prüfen Sie außerdem:
- Funktioniert die Uhr ohne Smartphone?
- Wie wird der Notruf ausgelöst?
- Gibt es eine direkte Sprachverbindung?
- Wie lange hält der Akku?
- Wird der Standort nur im Notfall oder dauerhaft übermittelt?
- Wer wird nach einem Notruf informiert?
. Mobiles Notrufarmband
Ein mobiles Notrufarmband wird direkt am Handgelenk getragen und besitzt eine eigene Mobilfunkverbindung. Dadurch ist es nicht an eine Basisstation in der Wohnung gebunden.
Je nach System kann es:
- einen Notruf per Knopfdruck auslösen,
- einen möglichen Sturz automatisch erkennen,
- eine Sprachverbindung herstellen,
- den Standort im aktiven Notfall übermitteln,
- private Kontakte oder eine Notrufzentrale informieren.
Ein mobiles Notrufarmband eignet sich besonders für Menschen, die auch außerhalb der Wohnung selbstständig bleiben möchten.
Sicherheit ohne Pflegegrad
Was kostet ein Notrufsystem ohne Pflegegrad?
Ohne Pflegegrad werden die Kosten normalerweise nicht von der Pflegekasse übernommen. Sie zahlen daher den Gerätepreis und gegebenenfalls eine monatliche Servicegebühr selbst.
Die Kosten hängen davon ab:
- ob Sie das Gerät kaufen oder mieten,
- ob eine Notrufzentrale enthalten ist,
- ob Mobilfunkkosten im Tarif enthalten sind,
- wie viele Notfallkontakte eingebunden werden können,
- ob eine App für Angehörige verfügbar ist,
- ob Zusatzleistungen berechnet werden,
- welche Vertragslaufzeit gilt.
Bei klassischen Hausnotrufsystemen liegen Basistarife nach Angaben der Verbraucherzentrale häufig zwischen etwa 27 und 40 Euro monatlich. Zusatzleistungen können weitere Kosten verursachen. Die konkreten Preise unterscheiden sich jedoch je nach System und Leistungsumfang. Vergleichen Sie deshalb nicht nur den monatlichen Preis. Prüfen Sie genau, welche Leistungen darin enthalten sind und ob zusätzliche Gebühren für Einrichtung, Versand, Notrufzentrale oder Einsätze entstehen.
Welche Kosten entstehen bei Gardia ohne Pflegegrad?
Das Gardia Notrufarmband kann auch ohne Pflegegrad bestellt und genutzt werden. In diesem Fall zahlen Sie das Gerät und den gewählten Service-Tarif selbst. Die Service-Tarife beginnen bei 17,95 Euro pro Monat. Je nach gewähltem Angebot können private Notfallkontakte oder optional die professionelle 24/7-Notrufzentrale von Bosch eingebunden werden.
Zum Funktionsumfang gehören:
- zentraler Notrufknopf,
- automatische, KI-basierte FallGuard360° Sturzerkennung,
- integrierte Mobilfunkverbindung,
- Nutzung ohne Smartphone der tragenden Person,
- direkte Sprachverbindung über das Armband,
- Standortübermittlung im aktiven Notfall,
- bis zu sechs private Notfallkontakte,
- bis zu 21 Tage Akkulaufzeit,
- Wasser- und Staubschutz nach IP67.
Ist ein Notrufsystem ohne monatliche Kosten möglich?
Es gibt Geräte, die nach dem Kauf keine betreute Notrufzentrale enthalten und im Ernstfall ausschließlich hinterlegte Angehörige anrufen oder Nachrichten versenden.
Eine solche Lösung kann günstiger sein. Sie setzt aber voraus, dass:
- die kontaktierten Personen erreichbar sind,
- die technische Einrichtung zuverlässig funktioniert,
- eine SIM-Karte oder Mobilfunkverbindung vorhanden ist,
- die Kontakte wissen, wie sie reagieren sollen,
- bei Nichterreichbarkeit eine weitere Person informiert wird.
Ein Notrufsystem ohne monatliche Gebühr ist deshalb nicht automatisch die bessere oder günstigere Wahl. Entscheidend ist, ob die Notfallkette auch nachts, am Wochenende oder während eines Urlaubs zuverlässig funktioniert.
Private Kontakte oder professionelle Notrufzentrale?
Bei einem Notrufsystem ohne Pflegegrad können Sie ebenfalls zwischen privaten Notfallkontakten und einer professionellen Notrufzentrale wählen.
Private Notfallkontakte
Private Kontakte können Angehörige, Freunde oder Nachbarn sein. Sie erhalten im aktiven Notfall eine Meldung und können die Situation einschätzen.
Das kann gut funktionieren, wenn:
- mehrere Personen eingebunden sind,
- die Zuständigkeiten abgesprochen wurden,
- die Kontakte regelmäßig erreichbar sind,
- jemand in der Nähe wohnt,
- im Ernstfall klar ist, wer welche Hilfe organisiert.
Professionelle Notrufzentrale
Eine professionelle Notrufzentrale ist rund um die Uhr erreichbar. Geschulte Mitarbeitende können mit der betroffenen Person sprechen und abhängig von der Situation Angehörige, einen Bereitschaftsdienst oder den Rettungsdienst verständigen.
Eine Notrufzentrale kann besonders sinnvoll sein, wenn Angehörige:
- weit entfernt wohnen,
- beruflich schlecht erreichbar sind,
- nachts nicht zuverlässig reagieren können,
- die alleinige Verantwortung nicht übernehmen möchten.
Bei dem Gardia Notrufarmband können Sie bis zu 6 private Notfallkontakte hinterlegen und/oder optional die professionelle 24/7-Notrufzentrale von Bosch buchen.
Angehörige direkt informiert
Sollte ich einen Pflegegrad beantragen?
Besteht bereits ein regelmäßiger Unterstützungsbedarf, kann eine Antragstellung sinnvoll sein. Relevant können Einschränkungen in verschiedenen Lebensbereichen sein, beispielsweise:
- Mobilität,
- Körperpflege,
- selbstständige Ernährung,
- Umgang mit Medikamenten,
- Orientierung und Gedächtnis,
- Gestaltung des Alltags,
- Umgang mit krankheitsbedingten Anforderungen.
Die Pflegekasse prüft nach dem Antrag, wie selbstständig die betreffende Person ihren Alltag bewältigen kann. Informationen zum Verfahren bietet der Online-Ratgeber des Bundesgesundheitsministeriums. Eine ausführliche Anleitung finden Sie in unserem Beitrag "Pflegegrad beantragen: Einblicke von MDK und Pflegekassen."
Was ändert sich mit einem anerkannten Pflegegrad?
Ab Pflegegrad 1 kann eine Kostenübernahme für einen Hausnotruf möglich sein, wenn zusätzlich die weiteren Voraussetzungen erfüllt sind. Dazu gehört typischerweise, dass die Person allein oder über weite Teile des Tages allein lebt und in einer Notsituation voraussichtlich nicht auf herkömmlichem Weg Hilfe rufen könnte. Die Pflegekasse entscheidet über jeden Antrag individuell. Ein anerkannter Pflegegrad bedeutet daher nicht automatisch, dass jedes Notrufsystem oder jeder Tarif vollständig bezahlt wird. Häufig wird lediglich die Basisversorgung berücksichtigt. Zusätzliche Funktionen müssen gegebenenfalls selbst finanziert werden. Für das Gardia Notrufarmband kann ab Pflegegrad 1 eine mögliche Kostenübernahme für das PflegePlus-Abo beantragt werden. Ob und in welcher Höhe die Pflegekasse die Kosten übernimmt, hängt von der individuellen Bewilligung ab. Weitere Informationen finden Sie hier.
Wie beantragen Sie die Kostenübernahme später?
Erhalten Sie nach dem Kauf eines Notrufsystems einen Pflegegrad, können Sie prüfen lassen, ob künftig eine Kostenübernahme möglich ist. Der Antrag wird bei der Pflegekasse gestellt. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums muss die Pflegekasse über einen Leistungsantrag grundsätzlich innerhalb von drei Wochen entscheiden. Wird eine Pflegefachperson oder der Medizinische Dienst beteiligt, kann sich die Frist auf fünf Wochen verlängern.
Der Ablauf kann folgendermaßen aussehen:
- Lassen Sie Ihren Pflegegrad feststellen.
- Informieren Sie sich über die Voraussetzungen Ihrer Pflegekasse.
- Reichen Sie den Antrag auf Versorgung mit einem Notrufsystem ein.
- Ergänzen Sie die angeforderten Unterlagen.
- Warten Sie die schriftliche Bewilligung ab.
- Prüfen Sie genau, welche Leistungen übernommen werden.
Eine rückwirkende Erstattung bereits entstandener privater Kosten ist nicht automatisch gewährleistet. Klären Sie deshalb vorab mit Ihrer Pflegekasse, ab welchem Zeitpunkt eine bewilligte Versorgung gelten würde.
Checkliste: Notrufsystem ohne Pflegegrad auswählen

- Funktioniert das System auch ohne Pflegegrad?
- Welche einmaligen Kosten entstehen?
- Wie hoch sind die monatlichen Gebühren?
- Welche Leistungen sind im Tarif enthalten?
- Ist eine Notrufzentrale enthalten oder optional?
- Können private Kontakte eingebunden werden?
- Funktioniert das Gerät ohne Smartphone?
- Kann es auch unterwegs genutzt werden?
- Wie lange hält der Akku?
- Ist eine automatische Sturzerkennung vorhanden?
- Wird der Standort nur im aktiven Notfall übermittelt?
- Gibt es eine Testphase?
- Kann später eine Kostenübernahme beantragt werden?
Fazit
Ein Notrufsystem kann auch ohne Pflegegrad sinnvoll sein. Sie können ein klassisches Hausnotrufsystem, eine Notrufuhr oder ein mobiles Notrufarmband privat bestellen und nutzen. Die Kosten tragen Sie zunächst selbst. Welche Lösung am besten passt, hängt von Ihrem Alltag ab. Halten Sie sich überwiegend in der Wohnung auf, kann ein klassischer Hausnotruf ausreichen. Sind Sie regelmäßig unterwegs, bietet ein mobiles System mehr Flexibilität. Das Gardia Notrufarmband funktioniert ohne Smartphone der tragenden Person und ohne stationäre Basisstation. Es verbindet einen zentralen Notrufknopf mit der automatischen, KI-basierten FallGuard360° Sturzerkennung, direkter Sprachverbindung, Standortübermittlung im aktiven Notfall und bis zu 21 Tagen Akkulaufzeit. Besteht bereits ein regelmäßiger Unterstützungsbedarf, sollten Sie unabhängig vom Notrufsystem prüfen, ob ein Pflegegrad infrage kommt. Ab Pflegegrad 1 kann eine Kostenübernahme möglich sein. Die endgültige Entscheidung trifft jedoch immer die zuständige Pflegekasse.
FAQ: Häufig gestellte Fragen
Kann ich ein Notrufsystem ohne Pflegegrad bestellen?
Kann ich Gardia ohne Pflegegrad nutzen?
Funktioniert Gardia ohne Smartphone?
Wie viel kostet ein Notrufsystem ohne Pflegegrad?
Ist eine Notrufzentrale ohne Pflegegrad möglich?
Kann ich später eine Kostenübernahme beantragen?
„Nach einem Sturz im Garten wurde mir bewusst, wie schnell man in eine Situation geraten kann, in der das Handy nicht erreichbar ist. Einen Pflegegrad habe ich bisher nicht, trotzdem wollte ich nicht warten, bis noch einmal etwas passiert. Seitdem trage ich das Notrufarmband im Alltag regelmäßig – zu Hause, beim Einkaufen und auf meinen Spaziergängen. Besonders beruhigend ist für mich, dass ich im Notfall direkt Hilfe rufen kann und meine Angehörigen wissen, dass sie informiert werden. Das gibt nicht nur mir mehr Sicherheit, sondern nimmt auch meiner Familie ein Stück Sorge.“
Quelle: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/pflege-zu-hause/pflegehilfsmittel



