Senior gestürzt: Was tun? Erste Hilfe und Notfall-Anleitung
Ein Sturz kann für ältere Menschen schnell zu einer ernsten Notfallsituation werden. Besonders gefährlich ist es, wenn die betroffene Person nicht mehr allein aufstehen kann, das Telefon außer Reichweite liegt oder Verletzungen zunächst unbemerkt bleiben. Auch ohne sichtbare Wunden können Knochenbrüche, Kopfverletzungen oder innere Blutungen vorliegen. Deshalb ist es wichtig, ruhig zu bleiben, Bewusstsein und Atmung zu prüfen und die Person nicht vorschnell aufzurichten. Dieser Beitrag zeigt Schritt für Schritt, was nach einem Sturz zu tun ist, wann die 112 gewählt werden sollte und wie ein Notrufarmband mit automatischer Sturzerkennung helfen kann, schneller Unterstützung zu organisieren.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Nicht vorschnell aufrichten: Bei starken Schmerzen, einer möglichen Kopfverletzung oder dem Verdacht auf einen Knochenbruch sollte die gestürzte Person möglichst wenig bewegt werden.
- Im Zweifel 112 wählen: Bewusstlosigkeit, Atemnot, starke Schmerzen, starke Blutungen, Verwirrtheit oder sichtbare Fehlstellungen sind Gründe für einen sofortigen Notruf.
- Langes Liegen vermeiden: Kann sich eine Person nach einem Sturz nicht selbst bemerkbar machen, drohen unter anderem Unterkühlung, Flüssigkeitsmangel, Druckschäden und weitere gesundheitliche Komplikationen.
Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keinen Erste-Hilfe-Kurs und keine medizinische Beratung. Bei Unsicherheit oder einem möglicherweise schweren Notfall sollte der Rettungsdienst unter 112 verständigt werden.
Sicherheit direkt am Handgelenk
Schritt-für-Schritt-Anleitung: Was tun unmittelbar nach einem Sturz?
1. Ruhe bewahren und die Umgebung sichern
Nähern Sie sich der gestürzten Person ruhig und sprechen Sie sie deutlich an. Beseitigen Sie unmittelbare Gefahren, ohne sich selbst zu gefährden – beispielsweise herumliegende Gegenstände, Wasser auf dem Boden oder laufende elektrische Geräte.
Fragen Sie zunächst:
- Können Sie mich hören?
- Wissen Sie, was passiert ist?
- Wo haben Sie Schmerzen?
- Haben Sie den Kopf angeschlagen?
- Können Sie Arme und Beine bewegen?
- Ist Ihnen schwindelig oder übel?
Versuchen Sie außerdem herauszufinden, ob die Person aufgrund eines Hindernisses gestürzt ist oder ob möglicherweise Schwindel, Bewusstlosigkeit, Herzprobleme oder ein Schlaganfall den Sturz ausgelöst haben.
2. Bewusstsein und Atmung prüfen
Reagiert die Person nicht, überprüfen Sie, ob sie normal atmet. Atmet sie normal, bringen Sie sie – sofern keine offensichtlichen Verletzungen dagegensprechen – in die stabile Seitenlage und rufen Sie den Notruf. Bleiben Sie bei ihr, kontrollieren Sie regelmäßig die Atmung und halten Sie sie warm.
Atmet die Person nicht normal, rufen Sie sofort 112 und beginnen Sie mit Wiederbelebungsmaßnahmen. Die Leitstelle kann Sie telefonisch anleiten. Das Deutsche Rote Kreuz empfiehlt bei einer bewusstlosen, normal atmenden Person unter anderem die stabile Seitenlage, den Notruf und den Wärmeerhalt.
3. Nach Verletzungen und Warnzeichen suchen
Schauen Sie nach sichtbaren Verletzungen, ohne Arme oder Beine unnötig zu bewegen. Besonders ernst zu nehmen sind:
- starke Schmerzen in Hüfte, Becken, Oberschenkel oder Rücken
- eine verkürzte oder unnatürlich gedrehte Beinposition
- sichtbare Fehlstellungen
- starke oder nicht stoppende Blutungen
- offene Wunden oder ein sichtbarer Knochen
- Kopfplatzwunden oder Schwellungen am Kopf
- Erinnerungslücken, Benommenheit oder zunehmende Müdigkeit
- Übelkeit oder Erbrechen
- plötzliche Sprachstörungen oder Lähmungserscheinungen
- Atemnot, Brustschmerzen oder kalter Schweiß
4. Notruf wählen oder Notrufsystem auslösen
Rufen Sie 112, wenn eine schwere Verletzung nicht ausgeschlossen werden kann oder die Person beispielsweise:
- bewusstlos oder nur eingeschränkt ansprechbar ist
- nicht normal atmet
- starke Schmerzen hat
- stark verwirrt wirkt
- den Kopf angeschlagen hat und neurologische Auffälligkeiten zeigt
- nicht aufstehen kann
- möglicherweise einen Knochenbruch erlitten hat
- stark blutet
- Symptome eines Schlaganfalls oder Herzinfarkts zeigt
Der Notruf 112 ist in Deutschland rund um die Uhr, kostenfrei und ohne Vorwahl erreichbar. Er ist für Situationen vorgesehen, in denen Lebensgefahr besteht oder bleibende gesundheitliche Schäden nicht ausgeschlossen werden können. Beim Gespräch mit der Leitstelle nennen Sie zuerst möglichst genau den Notfallort. Beschreiben Sie anschließend, was passiert ist und wie es der betroffenen Person geht. Legen Sie nicht eigenständig auf, sondern warten Sie auf Rückfragen und folgen Sie den Anweisungen der Leitstelle. Trägt die Person ein Notrufarmband oder ein mobiles Notrufsystem, kann zusätzlich der Notrufknopf betätigt werden. Je nach eingerichtetem System werden Angehörige, eine hinterlegte Kontaktperson oder eine Notrufzentrale alarmiert.
5. Die Person nicht ruckartig aufrichten
Der verständliche erste Impuls lautet häufig: „Ich helfe Ihnen schnell hoch.“ Das kann jedoch gefährlich sein.
Richten Sie die Person insbesondere dann nicht auf, wenn sie:
- starke Schmerzen äußert
- den Kopf angeschlagen hat
- sich nicht an den Sturz erinnern kann
- über Schmerzen in Hüfte, Becken oder Rücken klagt
- ein Bein nicht belasten kann
- eine sichtbare Fehlstellung aufweist
- ungewöhnlich schläfrig, verwirrt oder blass wirkt
Auch bei fehlenden äußeren Verletzungen können Knochenbrüche, innere Verletzungen oder eine Gehirnerschütterung vorliegen. Nur wenn die Person vollständig ansprechbar ist, keine Schmerzen oder Warnzeichen hat und ausdrücklich aufstehen möchte, kann sie langsam und schrittweise unterstützt werden. Treten dabei Schwindel, Schmerzen oder Unsicherheit auf, sollte der Versuch sofort abgebrochen werden.
6. Erstversorgung und Wärmeerhalt
Bleiben Sie bis zum Eintreffen der Hilfe bei der Person und sprechen Sie beruhigend mit ihr. Decken Sie sie mit einer Decke, Jacke oder einem Handtuch zu. Vermeiden Sie unnötige Bewegungen und lagern Sie verletzte Körperteile möglichst bequem. Offene Wunden können vorsichtig mit einer sauberen oder sterilen Wundauflage bedeckt werden. Geben Sie bei einem möglicherweise schweren Sturz zunächst nichts zu essen oder zu trinken. Falls eine Operation oder Untersuchung unter Narkose erforderlich wird, kann dies relevant sein. Orientieren Sie sich im Zweifel an den Anweisungen der Leitstelle.
Wann den Notarzt rufen?
Ein Rettungswagen beziehungsweise eine notärztliche Versorgung ist insbesondere notwendig, wenn Lebensgefahr oder eine schwere Verletzung möglich ist.
Wählen Sie sofort 112 bei:
- Bewusstlosigkeit
- fehlender oder unregelmäßiger Atmung
- starker Atemnot
- starken oder zunehmenden Schmerzen
- starken Blutungen
- sichtbaren Fehlstellungen
- Verdacht auf Hüft-, Becken-, Wirbelsäulen- oder Oberschenkelbruch
- Krampfanfällen
- starker Verwirrtheit
- Sprachstörungen oder einseitigen Lähmungserscheinungen
- Brustschmerzen, kaltem Schweiß oder ausgeprägter Schwäche
- Kopfverletzung mit Erbrechen, Benommenheit oder Erinnerungslücken
- einem Sturz aus größerer Höhe
- langer, unbekannter Liegedauer
Besteht keine akute Lebensgefahr, aber eine zeitnahe ärztliche Beurteilung ist notwendig, kann außerhalb der regulären Praxiszeiten der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 kontaktiert werden. Bei schweren Beschwerden oder Unsicherheit sollte jedoch immer die 112 gewählt werden.
Die unbemerkte Gefahr: das „lange Liegen“
Bei einem Liegetrauma handelt es sich um gesundheitliche Schäden, die entstehen können, wenn eine Person nach einem Sturz oder medizinischen Ereignis über längere Zeit bewegungsunfähig am Boden liegt. Das Problem betrifft nicht nur Menschen mit schweren Sturzverletzungen. Manche Senioren können trotz vergleichsweise kleiner Verletzungen nicht mehr selbstständig aufstehen. Andere erreichen ihr Telefon nicht oder sind zu schwach, um laut um Hilfe zu rufen.
Warum ist langes Liegen so gefährlich?
Je länger eine Person unbeweglich auf einer harten oder kalten Fläche liegt, desto größer wird das Risiko für:
- Unterkühlung
- Austrocknung beziehungsweise Flüssigkeitsmangel
- Druckstellen und Gewebeschäden
- Muskelzerfall
- Kreislaufprobleme
- Nierenfunktionsstörungen
- Verschlechterung bereits bestehender Erkrankungen
- Angst, Verwirrtheit und psychische Belastung
Eine klinische Untersuchung zu Patientinnen und Patienten mit Liegetrauma beschreibt unter anderem Flüssigkeitsmangel, schwere Unterkühlung, Muskelzerfall und akute Nierenfunktionsstörungen als relevante Begleitkomplikationen. Entscheidend ist deshalb nicht nur, den Sturz selbst zu erkennen. Ebenso wichtig ist es, möglichst schnell festzustellen, dass sich eine Person nicht mehr aus eigener Kraft aus ihrer Lage befreien kann.
Im Notfall verbunden
Eine digitale Notfallkette kann schnell helfen
Ein mobiles Notrufsystem ist ein tragbares Hilfsmittel, mit dem eine Person in einer Notlage über einen Knopf oder – abhängig vom jeweiligen Gerät – über eine automatische Sturzerkennung Hilfe anfordern kann.
Eine digitale Notfallkette kann beispielsweise so ablaufen:
- Ein Sensor registriert einen möglichen Sturz.
- Das System löst einen Alarm aus oder fordert eine Bestätigung an.
- Hinterlegte Kontakte oder eine Notrufzentrale werden informiert.
- Der Standort der betroffenen Person wird übermittelt, sofern eine Ortungsfunktion aktiviert und verfügbar ist.
- Über eine Sprachverbindung wird versucht, Kontakt aufzunehmen.
- Abhängig von der Situation werden Angehörige, Betreuungspersonen oder der Rettungsdienst verständigt.
Gerade bei alleinlebenden Senioren kann eine automatische Sturzerkennung wertvolle Zeit sparen. Sie kann auch dann einen Alarm anstoßen, wenn die Person den Notrufknopf nach einem Sturz nicht mehr selbst betätigen kann. Eine automatische Erkennung bietet jedoch keine hundertprozentige Sicherheit. Nicht jeder Sturz wird zuverlässig erkannt, und abrupte Alltagsbewegungen können je nach Technik einen Fehlalarm verursachen. Ein manuell erreichbarer Notrufknopf und ein klarer persönlicher Notfallplan bleiben daher wichtig. Mit einem mobilen Notrufsystem wie das Gardia Notrufarmband kann Unterstützung nicht nur innerhalb der eigenen vier Wände, sondern auch unterwegs erreichbar sein – etwa bei einem Spaziergang, beim Einkaufen oder im Garten. Damit die Notfallkette funktioniert, sollten das Gerät regelmäßig getragen, aufgeladen und die hinterlegten Notfallkontakte aktuell gehalten werden.
Wann sollte man trotz fehlender Wunden zum Arzt?
Nicht jede Verletzung ist von außen sichtbar. Besonders bei älteren Menschen können zunächst unauffällige Beschwerden erst Stunden nach dem Sturz deutlicher werden.
Eine ärztliche Untersuchung ist ratsam, wenn:
- Schmerzen nach dem Sturz anhalten oder zunehmen
- die Person unsicherer läuft als zuvor
- Schwindel oder Gleichgewichtsstörungen auftreten
- der Kopf angeschlagen wurde
- Erinnerungslücken bestehen
- Übelkeit, Erbrechen oder ungewöhnliche Müdigkeit auftreten
- neue Verwirrtheit oder Verhaltensänderungen auffallen
- die Person blass, schwach oder kaltschweißig wirkt
- Bauch-, Brust- oder Rückenschmerzen auftreten
- ein Gelenk anschwillt oder kaum noch bewegt werden kann
- die Person blutverdünnende Medikamente einnimmt
Besondere Vorsicht bei Blutverdünnern
Gerinnungshemmende Medikamente reduzieren die Fähigkeit des Körpers, Blutgerinnsel zu bilden. Dadurch können Blutungen schwerer verlaufen oder erst verzögert auffallen. Nach einem Sturz auf den Kopf sollte deshalb bei der Einnahme von Blutverdünnern besonders aufmerksam reagiert und frühzeitig medizinischer Rat eingeholt werden – auch wenn zunächst keine deutliche Wunde sichtbar ist. Bei Benommenheit, zunehmenden Kopfschmerzen, Erbrechen, Lähmungserscheinungen oder Bewusstseinsstörungen ist sofort die 112 zu wählen
Checkliste: Vorbereitung Sturznotfall
Eine gute Vorbereitung erleichtert es Angehörigen, Nachbarn und Ersthelfern, im Ernstfall richtig zu reagieren.
Wichtige Notfallnummern
- Rettungsdienst und Feuerwehr: 112
- Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116117
- Hausarztpraxis
- Angehörige oder Vertrauenspersonen
- Pflegedienst
- Zuständige Notrufzentrale
Medizinische Informationen
- vollständiger Name und Geburtsdatum
- bekannte Erkrankungen
- Allergien
- aktuelle Medikamentenliste
- Hinweis auf Blutverdünner
- Implantate, Herzschrittmacher oder Prothesen
- Name und Kontaktdaten der Hausarztpraxis
- Versichertendaten
- bestehende Patientenverfügung oder Vorsorgevollmacht
Praktische Vorbereitung zu Hause
- Notfallinformationen gut sichtbar hinterlegen
- Stolperfallen und lose Teppiche entfernen
- Wege und Treppen ausreichend beleuchten
- Haltegriffe im Bad installieren
- wichtige Gegenstände in gut erreichbarer Höhe aufbewahren
- Ersatzschlüssel bei einer Vertrauensperson oder in einem sicheren Schlüsseldepot hinterlegen
- regelmäßig überprüfen, ob das Mobiltelefon geladen und erreichbar ist
- Notrufarmband möglichst dauerhaft tragen
- Funktion und Akkustand des Notrufsystems regelmäßig kontrollieren
- hinterlegte Kontaktpersonen aktuell halten
Informationen für Angehörige
Angehörige sollten wissen:
- wie ein Alarm ausgelöst wird
- wer bei einem Alarm zuerst kontaktiert wird
- wie sie Zugang zur Wohnung erhalten
- welche Medikamente eingenommen werden
- ob eine Ortungs- oder Sprachfunktion eingerichtet ist
- welche gesundheitlichen Besonderheiten bestehen
- wann eigenständig die 112 verständigt werden muss
Was passiert, wenn eine gestürzte Person den Notrufknopf nicht mehr drücken kann?
Darf man eine gestürzte Person sofort hochheben?
Wann ist ein Sturz bei Senioren ein Notfall?
Was ist ein Liegetrauma?
Wie funktioniert eine automatische Sturzerkennung?
Muss man nach jedem Sturz zum Arzt?
"Ich dachte immer, dass mir so etwas nicht passieren würde. Doch nach meinem Sturz lag ich plötzlich auf dem Boden und konnte mich nicht mehr bewegen. Mein Handy war außer Reichweite, und in diesem Moment hatte ich vor allem Angst, dass mich niemand bemerkt. Als ich die Stimme meiner Tochter über das Armband hörte, fiel eine riesige Anspannung von mir ab. Sie wusste sofort, dass etwas passiert war, und konnte Hilfe organisieren. Für mich war nicht nur entscheidend, dass ein Alarm ausgelöst wurde. Entscheidend war das Gefühl, in diesem Moment nicht allein zu sein. Seitdem trage ich Gardia jeden Tag. Es erinnert mich nicht an meine Unsicherheit, sondern daran, dass ich weiterhin selbstständig leben kann – mit dem Wissen, dass im Ernstfall jemand für mich da ist.“



